TARTUFFE

Angesichts heutiger Zeiten, in denen “Fake News” und “alternative Fakten” in Gesellschaft, Politik und Medien immer mehr die Tagesordnung bestimmen, ist die von Molière geschaffene Figur des „Tartuffe“ eine hochaktuelle und politische Parabel auf eine mit Lügen manipulierte Wirklichkeit.

Molières Komödie, die von der Zensur seiner Zeit gleich zweimal verboten wurde, stellt Fragen, die auch heute unbeantwortet sind. Wie kann es sein, dass jemand erfolgreich ist, obgleich er offensichtlich lügt und betrügt? Tartuffe besitzt eine derartige Anziehungskraft auf den reichen und mächtigen Bürger Orgon, dass dieser ihm geradezu hörig wird, und nicht dessen kalkulierte Täuschung erkennt. Vielmehr lässt er sich bereitwillig dazu bringen, Tartuffe die Hand der Tochter zu versprechen, den Sohn aus dem Haus zu werfen und ihm das gesamte Vermögen zu überschreiben. Auch wenn Tartuffe von dem Rest der Familie als Hochstapler durchschaut wird, kann er sein Treiben ungestört fortsetzen. Selbst dann noch, als er voll Lüsternheit und Gier offensiv mit der Ehefrau seines Gönners anbändelt. Gerade weil seine unverhohlene Heuchelei und sein eifriges Streben nach Macht und Einfluss so erfolgreich sind, ist es umso ernüchtender und zutiefst erschreckend, dass es augenscheinlich niemandem gelingt, ihn zu entlarven oder sich ihm zu widersetzen. Erst als alles verloren zu sein scheint, kann schließlich doch noch der Wahrheit zu ihrem Recht verholfen werden.

Eine Gruppe von 12 Bonner theaterbegeisterten Schülern hatte sich im November 2016 zusammengeschlossen; eigentlich, um ihre schauspielerischen Fähigkeiten durch einen Workshop zu verbessern. Schnell entstand dabei die Idee, Molières Tartuffe mit musikalischer Begleitung im April 2017 – unmittelbar vor dem Abitur – auf eine Bühne zu bringen. Dafür haben sie mehrere Monate lang unter Leitung der Regisseurin Anna Sophia Baumgart intensiv geprobt,  hart gearbeitet und das historische Stück zeitgemäß interpretiert.

Dabei sind die jungen Schauspieler nicht unerfahren: Schon während ihrer Schulzeit haben sie jede Menge Theatererfahrung gesammelt und haben u.a. mit Goethes Faust I oder Shakespeares Hamlet ein großes Publikum von ihrem Können überzeugen und mit ihrer Schauspielfreude begeistern können. Mit der Aufführung von Molières Tartuffe betreten sie nun erstmals die Bühne des Kammermusiksaals Hermann J. Abs und verwandeln diese in einen herrschaftlichen Salon. Vergeichbar einem privaten Amphitheater wird das Publikum unmittelbar in das Geschehen eingebunden und taucht auf besondere Weise ein in eine Welt des Theaters und der Musik.

Durch die Vermittlung der agon-Gesellschaft konnte die Miete für den Kammermusiksaal Hermann J. Abs vorfinanziert werden und zwei fulminante Aufführungsabende stattfinden. Auch konnte in Zusammenarbeit mit dem Beethovenhaus Bonn den jugendlichen Schauspielern ein ganzes Probenwochende in der Villa Wasmuth in Remagen ermöglicht werden. Darüber hinaus übernahm die agon-Gesellschaft die Pressearbeit  und entwickelte eine informative Website, über die das Ticketing abgewickelt wurde und die auch nach der Aufführung als Referenz für die jungen Schauspieler dient.

 

Links zu den Projektpartnern:

Beethovenhaus Bonn

Anna Sophia Baumgart